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Colt Seavers, Held meiner Kindheit. Ich habe ihn oft gedoubelt, aber man hat mir elementare Zusammenhänge nicht erklärt. Zum Beispiel, dass der Typ kein Deutsch spricht. Er wurde durchweg synchronisiert, und ich sollte von der Technik erst in späten Filmen mit Bud Spencer und Terence Hill erfahren. Die beiden, Carlo und Mario, das Krokodil und sein Nilpferd, sind übrigens Italiener. Das erklärt die "Italo-Western"-Sache in der Hörzu. Aber nochmal Colt und ich: Stuntman also. Ich hielt ihn für sowas wie einen Privatdetektiv, der mit Pickups über Rampen springen kann. Schutzhelme bemerkte ich dabei ebenso wenig wie asynchrone Lippenbewegung. Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, ich sei ein dummes Kind gewesen. Howie und ich, wir hatten ganz einfach kein Gefühl für Nebenschauplätze.
Im Sommer 2001, als Amerika noch etwa sechs Wochen lang Twin Towers hatte, standen wir am Pier 33 in San Francisco und planten unsere Flucht nach Alcatraz, dem berühmten Gefängnis, in dem schon Al Capone mit warmem Wasser duschen musste, um schwimmende Ausbrüche durch die kalte Bucht möglichst unangenehm zu machen. Clint Eastwood, den alten Brocken, hat das bekanntlich nicht davon abgehalten. Für eine Handvoll Dollar schwimmt der überall hin, und Westwärts zieht der Wind. Peter wollte die Tickets für unsere Überfahrt besorgen. Wir lachen noch heute darüber: »Four tickets to alcatraz, please«. Die Frau vom Ticketschalter korrigierend: »..FOR.. alcatraz!«. Peter nickend und mit Fingerzeichen: »Yeah, FOUR!«
Damals im Englischunterricht sollten wir ein Limerick schreiben. Ich war ganz froh darüber, mal keine Lektüre lesen zu müssen (die Zeit im Bus war immer arg knapp für sowas) und produzierte das hier: "On a pug of cambridge once sat a bug. And to find the answer it made a big thug. It started to roam on its four legged home and finally said: 'No kidding, the earth is a rug.'" - Nie im Leben war ich stolzer auf eine Hausarbeit als auf dieses Stück spitzfindige Feudalprosa, in dem ein Floh nach Umrundung seines Mopses erkennt, dass die Welt ein Teppich ist. Ich war es bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Lehrerin mitteilte, sie verstünde das alles nicht und um welche Frage es überhaupt ginge. Ich erklärte noch kurz gegen eine Wand, bevor meine Schule an Relevanz verlor.
Als wir noch Kinder waren, haben wir uns oft vorgestellt, wie es wohl sein würde, wenn man unsere Helden gegeneinander antreten ließe. Rocky gegen Rambo, wer macht wen fertig? Schwarzenegger gegen Stallone, Chuck Norris gegen van Damme. Und hätte Jackie Chan auch nur den Hauch einer Chance gegen Bruce Lee gehabt? Im Alter disqualifizieren sich die Jungs nun der Reihe nach selbst. Bei van Damme hatte man den Eindruck, dass er sich nach dem Erfolg von Bloodsport nur noch mit Waffen wehren konnte. Rocky macht seinen letzten Kampf gegen Henry Maske die glorreiche Vergangenheit, Schwarzenegger dreht Gouvernör IV, und Chuck Norris.. ja, der kriegt von Bruce Lee aufs Maul. Wurde auch Zeit, endlich mal klare Verhältnisse zu schaffen.
Ich habe ja ein neues Handy. Eins, mit dem man nur telefonieren kann. Mehr zu behaupten wäre famos geschmeichelt. Das Ding ist so gottverdammt reduziert, dass es nur sechs Zeichen im Display ausgibt und nicht vorsieht, Einträge im Telefonbuch zu ändern. Letzteres weiß ich erst, seitdem ich gestern auf der Toilette sitzend zweimalig versucht hatte, den Eintrag "Daniel Fiene" auf "Fiene" zu verkürzen und dabei unbemerkt - unser Klo hat Empfang - zwei Kurzmitteilungen versendet habe: Fiene. Fiene. Noch während ich mich wunderte, warum der neue Eintrag nicht übernommen wurde, kam die Antwort: "Daniel Fiene: Ja?". Mein neues Telefon ist so reduziert, dass Systemdialoge per SMS ausgegeben werden müssen, dachte ich gestern. (via)
Im Vorbeigehen im Teeregal gesehen: Oma Martha's Darjeeling*. Klar, als Verbraucher lassen wir uns gerne von Hausmacher-Rezepten blenden und kaufen Kuchen aus schönen Fabriken, in denen hundert Mamas bei offenem Fenster und 60er-Swing liebevoll den Teig kneten, bevor er mit etwas Rum veredelt in alten Gasöfen gebacken wird ("Plazenta-Effekt"). Aber bitte, ein Darjeeling-Tee? Oma Martha wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt so, als hätte sie die Karawanenstraße bei Tibet erkundet, um bengalisches Kraut im Himalaya zu züchten. Eher hat sie das Zeug ganz hinten im Teeladen entdeckt und betreibt nun hausgemachte Produktpiraterie mit eigenem Businessplan.
* Name inkl. Deppenapostroph' von der Redaktion geändert.
Neulich das Gothic-Pärchen an der Kasse im Coffee House beobachtet. Sie bestellt heiße Schokolade und überlegt kurz, welche Art von Gebäck dazu passen könnte. Schoko-Muffin, klar. Dann er: "Habt ihr nur sonne Milchkaffees, oder gibt's auch was in schwarz?". Nein, natürlich nicht nur Caffè latte, es gibt auch Filterkaffee. Ist heute ein intensiver Afrikanischer mit lebhafter Säure und blumiger Note.. "Ach scheiße, ich nehme den. Mit Zucker." Zeigt zur Gebäckvitrine: "Und den schwarzen Keks dazu." - Großartig, was bestellt ihr Gothics eigentlich beim Burgerkönig oder bei Kentucky? Große Cola mit Chicken Wings, aber gut durch? Im Coffee House lief übrigens gerade die neue Scheibe von Herbie Hancock. Ist vielleicht nicht ganz euer Stil, aber hey, die Farbe ist doch geil?
Eben rufe ich in einer Firma an und werde verbunden, als deren Band anspringt: "Leider ist die von Ihnen gewünschte Abteilung zurzeit nicht erreichbar.." Die Stimme säuselt monoton und in arg langen Sätzen weiter. Ich lulle am Telefon ein und erfahre, dass man mir im Verlauf des Gesprächs gerne die Durchwahl anbiete oder eine Info aufzeichne, die der Abteilung schriftlich zugestellt würde. Es floskelt weiter und ich denke über interaktive Bandansagen nach, als die Stimme endlich nach der Abteilung fragt, in die ich wollte. Gesprächspause. Ob es sinnvoll ist, der Bandmaschine eine Nachricht zu hinterlas.. "Hallo?", unterbricht die Stimme. Dieselbe Stimme. Wah, das Band lebt! Die faken da doch glatt interaktive Bänder, indem sie echte Menschen ans Telefon setzen!
Gestern vorm Auto, einem Fiesta aus dem letzten Jahrtausend, ungepflegt: "Warte, ich mache dir die Beifahrertür auf, dann kannst du rein und meine Tür aufmachen.." - Ich war kurz verwirrt, bis er mir erklärte, dass die Fahrertür klemmte und nur von innen geöffnet werden konnte. Als ich saß: "Jetzt zieh deine Tür ran, dann kann ich sie zuschließen." - Ich war kurz verwirrt, bis er mir erklärte, dass die Beifahrertür klemmte und nur von außen geschlossen werden konnte. Gefühlte 10 Minuten später saßen wir dann beide drin und guckten auf die gebrochene Frontscheibe. Das Auto sprang an, nachdem die Heizung und das Gebläse ausgestellt wurden. Im Januar muss er zum TÜV und ich bei der Vorstellung lachen, dass der Mechaniker zur Probefahrt von rechts über den Schaltknüppel klettert.
Kennt ihr das: man nähert sich einer Gruppe von Spatzen, die im Rudel auf einem Zaun sitzen, und sieht an ihrer Mimik, dass sie das alte Spiel spielen, bei dem der letzte von ihnen, der losfliegt, gewinnt? Ehrlich, ich sehe es schon am Flackern in ihren Augen, der aufkommenden Nervosität und dem Geschubse, das sie immer dann veranstalten, wenn ich auf dem Weg zum Bäcker an ihnen vorbeigehe. Tauben sind anders. Die sind dumm und faul, vor allem in Großstädten. In Berlin muss man sogar aufpassen, sie nicht auf dem Gehweg zu zertreten. Und wenn sie entkommen, haspeln sie dir unbeholfen vorm Gesicht rum. Wären unsere Hunde nicht so sehr mit Kacken beschäftigt, könnten sie gleich zweifach für bessere Zustände sorgen. Das wäre wohl eine Win/Win- Situation für mich und die Spatzen.