Große Kommunikationstalente lauern oft im Bus. Neulich in Grünau, kurz vor der Stadtgrenze und auf dem Weg zum verkaufsoffenen Ikea, wollte ich das nötige Ticket für den C-Bereich kaufen. "Neh, das gebe ich nicht raus.", meinte der Busfahrer. Aha, ein Problem! Ich denke an die 5 W's und beginne mit WARUM. "Weil ich nicht soweit fahre." Vorsichtig weiter: WER also fährt so weit? "Der 263er", nörgelt er. Rückschritt, als ich ihn darauf hinweise, dass sein Bus die Nummer 263 trägt. "Ja, aber ich fahre ja nicht so weit." WIE komme ich nun also nach Schweden? Er zeigt durchs Fenster: "Anderer Bus, steht auf dem Plan!" Dicke Frauen rempeln vorbei, und auch bei der WANN-Frage mag er nicht behilflich sein. Auf dem Plan lese ich, dass sonntags kein Bus zu Ikea fährt.
Liebe Berliner Verkehrsdingens, ich möchte mich hiermit ganz inoffiziell beschweren. Als Jahreskunde, der zu Beginn seiner Mitgliedschaft alle 12 Monatsmarken wie gewohnt per Post bekam, hielt ich es gestern für eine ganz pfiffige Idee, die zusätzlich benötigten Trägerkarten, die bei der Sendung leider jedes Jahr bewusst vergessen werden, weil man sie kostenlos an jedem Ticketschalter beziehen kann, nun gleich für die nächsten zwei (!) Monate von ihrer dümmlich anmutenden Servicekraft in der U-Bahn-Station Alexanderplatz zu erbitten. Die Frau war sehr nah dran, diesen Wunsch zu verweigern, und ich habe es nun satt, jeden Monat um diese popligen Pappkärtchen zu betteln. Deshalb schlage ich vor, dass wir dieses überflüssige kleine Servicehäuschen sprengen?
Provokation im Einzelhandel! Immer öfter beobachte ich nun perfide Drängeleien unscheinbarer Omis. Sie huschen grau-braun in den Laden, etwa beim Bäcker, und direkt vorbei an der bereits wartenden Schlange von Mitkonsumenten. An der Theke vermitteln sie den Eindruck, nur die Auslage inspizieren zu wollen, und bei nächster Gelegenheit preschen sie mit belanglosen Fragen vor: "Was ist denn da in dem Quarkteilchen?". Der Quark als Antwort interessiert sie wenig, denn sie ordern gleich ein kleines geschnittenes Brot, ohne sich vorher in die Schlange einreihen zu wollen. Grundsätzlich scheint mir zu gelten: je unscheinbarer eine Omi, desto höher ihr Drängelcharakter. Und: die Affinität zur Warenausgabe verläuft reziprok zur Verfügung stehenden Freizeit der Greisin.
Stell dir vor, du müsstest fernsehen. Einen ganzen Tag lang. 24 Stunden und nur eine Kategorie zur Auswahl: Sport, Shows, Filme... Ein Großteil der Frauen würde sich sicherlich für Sex entscheiden: Carrie Bradshaws Kolumne in sechs Staffeln. Dazu Chips und oder Schokolade und ein Telefon für die Werbepausen. Ich als Mann, und ich denke, da denke ich wie viele andere Männer, würde mich für die gepflegte Berichterstattung entscheiden: auf Streife mit der Bahnhofspolizei, nachts auf der Autobahnraststätte, die Errichtung eines McDonald's. Der Höhepunkt jeder Doku: Schwerlasttransporte. Ein Sattelschlepper mit dem Berliner Fernsehturm beladen schiebt sich rückwärts über zwei Brücken in eine enge Straße. 20 Rentner diskutieren, wie toll der LKW-Fahrer ist.
"Ich seh dir in die Augen, Kleines". Neben "Adriaaaan!" das wohl meist (und oft falsch) zitierteste Filmzitat, wenn man mal ösische Gouvernöre mit Finger am Abzug außen vor lässt. Hasta la vista, Baby! Müsste man die Welt auf ein Filmzitat beschränken, hätte Rick Blaine mit First Lady Ilsa Lund Laszlo an seiner Seite beste Chancen auf den Wahlsieg (aktuell: egal, welche Stimmen noch aus Ohio kommen). Lustigerweise habe ich neulich zum ersten Mal in meinem Leben Casablanca - toller Film! - gesehen und bin erstaunt, welche Grundlagen ich wiedermal verpasst hatte (siehe auch die Sache mit der 5). Schön, dass sich so viele Dinge nachholen lassen und alle wichtigen Filmzitate neuerdings in nur einem dicken Buch stehen. Hau's mir in die Augen, Adrian!
Dschungeltiere, die mit C-Promis konfrontiert werden: Ausgehungerte Strauße etwa, die unsicher sind, ob sie Futter mögen, das noch auf Spengemann klebt. Verstörte Aale, die mit Frau Nick in ein Wasserbecken gezwängt werden. Ja, es gibt Gewalt im Fernsehen! Umso überzeugender scheint mir deshalb das Format zu sein, in dem sich Supermamas und tolle Nannys um verzogene Kinder kümmern und dessen Eltern auf die falsche Erziehung hinweisen. Davon profitiert man auch als Zuschauer ganz ungemein. Ich wusste neulich etwa auf Anhieb, dass es falsch war, wie die Mutter beim Supermarkt ihr Kind anschrie: "Fee-elix! Verdammt, komm her!". Pah! Lautes Keifen in nicht gebückter Haltung zum Kind: Rabenmutter! Dachte ich, bevor der blöde Hund aus dem Gebüsch kam.
Offene Fenster haben nicht immer Vorteile. Klar, frische Luft ist ein gutes Argument, aber was ist, wenn die Nachbarn einen schlechten Musikgeschmack haben? Eben tönte das Lied vom alten Holzmichl über den Balkon, "Jaaa, er lebt noch!", begleitet von der unmotiviertesten Sängerin unserer Straße. Nein, sowas muss man wirklich nicht hinnehmen! Deshalb konterte ich lautstark mit AC/DC: "If you want blood (you've got it)" ...Gitarren-Intro, Drums und Bon Scott schreit los. - Nach dem Lied zwitscherte es den Vögel draußen im Ohr und die Nachbarn waren doch tatsächlich ruhig. Beim nächsten Anzeichen von fieser Lärmbelästigung werde ich einen Fernseher auf den Balkon schieben und denen die Live-Show vom Monsters-of-Rock Festival zeigen.
Was mir mal auffällt: während die Tschechen - zum Beispiel - schon als Kinder lernen, dass man auf einer Rolltreppe rechts steht und links geht, während man ganz relaxt in einen Prager U-Bahn-Schacht rollt, verfallen die Deutschen regelmäßig in einen Dornröschenschlaf, nachdem sie sich in kleinen Gruppen oder mit vielen Einkaufstüten bewaffnet möglichst blöd auf der Rolltreppe im Kaufhaus verteilt haben. Versucht man, sich dezent an ihnen vorbei zu drücken, erntet man meist böse Blicke. Der Deutsche geht nämlich davon aus, eine Treppenstufe allein durch die Tatsache, dass er hier einkauft, für die Dauer seiner Fahrt fest gemietet zu haben. Man kostet diesen Moment gebührend aus und lässt keine fremden Leute übers eigene Grundstück laufen.
Hab ich ehrlich schon so lange nichts mehr hier geschrieben? Teufel! Na gut, irgendwie war ja auch Sommer und dessen obligatorisches Hitzefrei. Das beste Spaghetti-Eis in Berlin gibt's übrigens in den Arkarden am Potsdamer Platz. Und während man seinerzeit im Osten auf Bananen wartete (Klischée, ich weiß), bilden sich heute die langen Schlangen dort aufgrund von Bananensplits - wobei das Eiscafé ja haarscharf im Westen liegt. Und überhaupt, was ist noch passiert in den letzten Wochen? Ich hatte kaum Zeit für andere Dinge, denn ich musste Kaffee kochen oder SMS verschicken und nebenbei diverse Barrieren reduzieren. Dafür habe ich jetzt zwei Wochen Urlaub und fahre vielleicht mal in die Türkei? Man munkelt nämlich, dass es dort die besten Döner gibt.
Wenn ich davon ausgehe, dass ich im Alter von sechs Jahren angefangen habe Schreiben zu lernen, dann hat es nur lächerliche 20 Jahre benötigt um gestern erstmals zu erkennen, warum ich in schöner Regelmäßigkeit die "5" verhunze. Meinem Lehrer muss seinerzeit entgangen sein, dass ich die Fünf nicht wie gewohnt oben links ansetze, einen gekonnten Bogen male und danach den fehlenden Strich anhänge, sondern stattdessen effizient aber eher ungeschickt die ganze Nummer in einem Rutsch aufs Papier rotze. Wenn man dabei nicht aufpasst, wird's schnell ein "S" statt der gewünschten Zahl. Mein Leben lang habe ich die 5 gemieden, kleine Cokes getrunken und Alternativzahlen benutzt. Jetzt endlich werde ich nur noch fünf McNuggets und dafür die große Cola bestellen. Satte 500 ml!