Das kleine Seitenschwein

::: 11.05.2007

_Yippee-ki-yay, *backen!_

Als wir noch Kinder waren, haben wir uns oft vorgestellt, wie es wohl sein würde, wenn man unsere Helden gegeneinander antreten ließe. Rocky gegen Rambo, wer macht wen fertig? Schwarzenegger gegen Stallone, Chuck Norris gegen van Damme. Und hätte Jackie Chan auch nur den Hauch einer Chance gegen Bruce Lee gehabt? Im Alter disqualifizieren sich die Jungs nun der Reihe nach selbst. Bei van Damme hatte man den Eindruck, dass er sich nach dem Erfolg von Bloodsport nur noch mit Waffen wehren konnte. Rocky macht seinen letzten Kampf gegen Henry Maske die glorreiche Vergangenheit, Schwarzenegger dreht Gouvernör IV, und Chuck Norris.. ja, der kriegt von Bruce Lee aufs Maul. Wurde auch Zeit, endlich mal klare Verhältnisse zu schaffen.

::: 11.05.2007

_Hell of a Moto!_

Ich habe ja ein neues Handy. Eins, mit dem man nur telefonieren kann. Mehr zu behaupten wäre famos geschmeichelt. Das Ding ist so gottverdammt reduziert, dass es nur sechs Zeichen im Display ausgibt und nicht vorsieht, Einträge im Telefonbuch zu ändern. Letzteres weiß ich erst, seitdem ich gestern auf der Toilette sitzend zweimalig versucht hatte, den Eintrag "Daniel Fiene" auf "Fiene" zu verkürzen und dabei unbemerkt - unser Klo hat Empfang - zwei Kurzmitteilungen versendet habe: Fiene. Fiene. Noch während ich mich wunderte, warum der neue Eintrag nicht übernommen wurde, kam die Antwort: "Daniel Fiene: Ja?". Mein neues Telefon ist so reduziert, dass Systemdialoge per SMS ausgegeben werden müssen, dachte ich gestern. (via)

::: 05.09.2005

_Jesus In A Camper Van_

Da stehen wir: anfangs 120, später mehr. Direkt unter Ahmet Iyidirli und Ströbeles Erststimme vorm KOKA36 in Kreuzberg. "Gibt's was umsonst?", fragt der Müllmann, der sich durch die Menge in die Hofeinfahrt drängt, die wir versperren. "Die Beatles touren wieder", denke ich, während weibliche Anteile ihn ankreischen: "Robbiiiee!". Ah, den Williams kennt er wohl. Zeitung hat er aber noch nicht gelesen, sonst wüsste er, dass einige Fans bereits seit Freitag, also 50 Stunden und mehr, vorm Eingang des Velodroms campen. Erste Infos machten die Runde: 400 Tickets, jeder nur zwei. Der türkische Bäcker von nebenan stellt Sitzbänke auf und verlagerte sein Frühstück nach draußen. Gelegentlich wird gejubelt. Radio eins ist auch da. Um 11 endet die Show. Wir warten auf Zugaben.

::: 06.06.2005

_mit scharf, kursiv_

Gestern beim Lieblings-Inder: dass in der Speisekarte "scharf" hinter dem Menü stand, das ich bestellte, hatte ich kaum bemerkt. Menschen sind fixiert auf Kleingedrucktes, überlesen jedoch gerne mal Worte, die kursiv geschrieben wurden. Anmerkungen des Verfassers, ISBN-Nummern, Verweise, Erklärungen für Anfänger, Nebensächlichkeiten; Wichtige Dinge stehen selten kursiv, dachte ich bis zu dem Moment, in dem mir der Hauptgang die Gewürze in die Augen trieb und eine bisher unbekannte Ader unter meinem rechten Auge zu pulsieren begann. Das offene Fenster neben mir beschlug. Von außen. "War gut?", fragte einer von ihnen, als er die Rechnung brachte. Ich: "War die Hölle! Ihr habt hier nichts Schärferes, oder?" Er: "Natürlich mache ich dir schärfer. Musst du nur sagen!"

::: 07.02.2005

_Trägerkartengeiz_

Liebe Berliner Verkehrsdingens, ich möchte mich hiermit ganz inoffiziell beschweren. Als Jahreskunde, der zu Beginn seiner Mitgliedschaft alle 12 Monatsmarken wie gewohnt per Post bekam, hielt ich es gestern für eine ganz pfiffige Idee, die zusätzlich benötigten Trägerkarten, die bei der Sendung leider jedes Jahr bewusst vergessen werden, weil man sie kostenlos an jedem Ticketschalter beziehen kann, nun gleich für die nächsten zwei (!) Monate von ihrer dümmlich anmutenden Servicekraft in der U-Bahn-Station Alexanderplatz zu erbitten. Die Frau war sehr nah dran, diesen Wunsch zu verweigern, und ich habe es nun satt, jeden Monat um diese popligen Pappkärtchen zu betteln. Deshalb schlage ich vor, dass wir dieses überflüssige kleine Servicehäuschen sprengen?

::: 26.11.2004

_Schwerlasttransporte_

Stell dir vor, du müsstest fernsehen. Einen ganzen Tag lang. 24 Stunden und nur eine Kategorie zur Auswahl: Sport, Shows, Filme... Ein Großteil der Frauen würde sich sicherlich für Sex entscheiden: Carrie Bradshaws Kolumne in sechs Staffeln. Dazu Chips und oder Schokolade und ein Telefon für die Werbepausen. Ich als Mann, und ich denke, da denke ich wie viele andere Männer, würde mich für die gepflegte Berichterstattung entscheiden: auf Streife mit der Bahnhofspolizei, nachts auf der Autobahnraststätte, die Errichtung eines McDonald's. Der Höhepunkt jeder Doku: Schwerlasttransporte. Ein Sattelschlepper mit dem Berliner Fernsehturm beladen schiebt sich rückwärts über zwei Brücken in eine enge Straße. 20 Rentner diskutieren, wie toll der LKW-Fahrer ist.

::: 03.09.2004

_Schwanzlänge_

Offene Fenster haben nicht immer Vorteile. Klar, frische Luft ist ein gutes Argument, aber was ist, wenn die Nachbarn einen schlechten Musikgeschmack haben? Eben tönte das Lied vom alten Holzmichl über den Balkon, "Jaaa, er lebt noch!", begleitet von der unmotiviertesten Sängerin unserer Straße. Nein, sowas muss man wirklich nicht hinnehmen! Deshalb konterte ich lautstark mit AC/DC: "If you want blood (you've got it)" ...Gitarren-Intro, Drums und Bon Scott schreit los. - Nach dem Lied zwitscherte es den Vögel draußen im Ohr und die Nachbarn waren doch tatsächlich ruhig. Beim nächsten Anzeichen von fieser Lärmbelästigung werde ich einen Fernseher auf den Balkon schieben und denen die Live-Show vom Monsters-of-Rock Festival zeigen.

::: 07.06.2004

_Jetzt bloß kein Knoppers!_

Guten Morgen und willkommen im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg um 5 Minuten vor 8, also etwa 12 Minuten vor Arbeitsbeginn. Ein paar Tage zuvor hatte mir die Dame vom Infoschalter erzählt, dass die beste Möglichkeit für Meldeangelegenheiten montags morgens sei, damit man nicht allzu lange warten müsse. So früh steht ja niemand auf, dachten sich auch die exakt fünfzig anderen Bürger dieser Stadt, die sich bereits niedergelassen hatten, als mir der Automat den Zettel mit der Nummer 051 auf die Hand spuckte. Die Dame an der Info unterbrach nur ungern ihr privates Telefonat ("Gitte, du sollst nicht immer so schnell fahren!") und meinte, das würde nicht lange dauern in der Schlange. 20 Minuten später bimmelte Nummer 006, und Gitte erreichte ihre zweite Tasse Kaffee.

::: 31.03.2004

_Neulich in der Kaufhalle_

Ein Ostberliner Supermarkt im Jahr 2004. Die Grenze ist seit einiger Zeit geöffnet und Fernsehen neuerdings digital. Das alte Ehepaar im Gang der Kaufhalle wirkt leicht erschöpft. Er schiebt mürrisch den überladenen Einkaufswagen, während sie penible Anweisungen erteilt, welche Artikel zu verbuchen sind. Dann plötzlich in einem schwachen Moment schlichter Eigeninitiative greift Opi ins Regal und versucht, den heimischen Vorrat an Kaffee um 4-6 Pfund aufzustocken, bevor Omi interveniert: "Im Westen gibt's sowas doch jeden Tag!". Er hält inne und schaut schuldbewusst. Sie winkt ab: "Und wenn bald der Atomschlag kommt, haben wir sowieso nichts mehr davon!". Opi nickt wissend und schiebt weiter. Waren die beiden einfach nur senil oder Mitglieder der Al-Qaida?

::: 29.03.2004

_Embarquement 19H10_

Verdammt, die Uhren wurden wieder umgestellt! In Paris geschieht das eher heimlich. Morgens im Hotel war das Frühstücksbuffet bereits kahl gefressen, obwohl ich theoretisch bestens in der Zeit lag. Später in der Stadt die Uhrzeit einer britischen Touristengruppe aufgeschnappt und gewundert, dass deren Uhren auf Helsinki-Zeit standen. In der Metro gedankenlos der Diskussion zweier Schweizer gelauscht, warum schon halb fünf sei, um nur wenig später am höchsten Punkt von Montmartre mit Blick über die Stadt festzustellen, dass Sacré Coeur stark an Eindruck verliert, sobald einem bewusst wird, dass der verdammte Flieger am Airport bereits die Turbinen vorglüht. Nur drei Minuten vorm Closing stanzte die Dame von Air France noch das Ticket: "Bon voyage!"

::: 15.09.2003

_ICE 645_

Beim Blick auf die Fahrkarten die falsche Zahl gelesen und in Wagen 33 eingestiegen. Leider nicht nur der falsche Wagen, sondern gleich der falsche Zugteil. Kein Durchgang zum Wagen 23, nächste Möglichkeit zum Umsteigen in Hannover. Während der 45 Minuten Wartezeit im Gang neben dem defekten Klo die Entdeckung, dass ICE 645 eine Stunde später gefahren wäre. Falscher Zug also auch noch. Milchkaffee am Bahnhof. 1,10 EUR fürs WC natürlich nicht gezahlt. Der Anschlusszug kommt 20 Minuten zu spät. Passagiere ohne Platzreservierung spielen Reise nach Jerusalem. Auch Mitte September unterkühlt man den Großraumwagen gerne noch auf das Niveau zwischen Moskau und Wladiwostok. Wir sitzen mit Jacken am Baikalsee und lesen. Und die Bahn kommt.

::: 15.01.2003

_Porsche fahren_

"Gaaanz weit aufmachen, dann streckt sich der Muskel", meinte der Zahnarzt, "und die Spritze hat mehr Platz." - Ich riss den Mund auf, als ginge es darum, wie Ozzy Osbourne seinerzeit einer dicken Fledermaus den Kopf abzubeissen. Ich hasse Zahnarztbesuche, verachte Spritzen und Bohrer und war in diesem Moment der Hauptdarsteller einer Black Sabbath-Show, der ich ganz bestimmt nicht sein wollte. Doch der Zahnarzt hatte recht: mit weit aufgerissenem Mund sind Spritzen absolut schmerzlos. Grandios! Und während ich mich bei der Behandlung in den Stuhl krallte, erzählte er mir, dass er sich einen schicken Porsche 911 kaufen wolle, was jedoch bei manchen Kunden vielleicht Neid provozieren würde. Ehrlich, soll er! Ich gönne ihm die Karre!

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